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Caribou

Caribou war nicht immer. Bis 2004 firmierte der Kanadier Daniel Victor Snaith unter dem Namen Manitoba. In diesem Jahr nämlich klagte ausgerechnet der Sänger der New Yorker Punkband „Dictators“ Handsome Dick Manitoba gegen Snaith, der ohne viel Firlefanz zu veranstalten sich in Caribou umbenannte. Snaith hat unter beiden Namen zahlreiche Alben und E.P.s herausgebracht. Die wichtigsten Meilensteine davon sind das 2001 veröffentlichte „Start Breaking Ma Heart“, „Up in Flames“ 2003, dann schon unter dem Namen Caribou „The Milk of Human Kindness“ (2005) und 2007 folgte „Andorra“. Aber keines dieser Alben war so erfolgreich, wie das dieses Jahr im April veröffentlichte Album „Swim“. Das schaffte es in die US-Billboard-Charts. Wie „Andorra“ ist auch „Swim“ auf dem Berliner Label City Slang herausgekommen, dass sonst Bands wie Arcade Fire und The Notwist beherbergt (das nordamerikanische Schwesterlabel ist übrigens Merge) Bis 2005 war Caribou noch bei Domino-Records, dass auch eher zum elektronischen Sound von Caribou passt. Auf Dominio hat u.a. Four Tet released. Aber beide Labels stehen für das, was man heute gerne Indietronica nennt: Die Entwicklung hin zur Verschmelzung von Indierock bzw. Punk mit elektronischer Musik, wie sie als einzelnes Projekt vielleicht am besten James Murphy mit LCD Soundsystem verkörpert.
Doch wieder zurück zu Caribou. Dem wird gerne nachgesagt, das er ein Eigenbrödler ist und deshalb am liebsten alleine an seinem Sound schraubt. Dazu passt vielleicht auch sein akademisches Steckenpferd: die Mathematik. 2005 hat er darin seinen Doktor an einer englischen Uni gemacht. Das ist kein Zufall, denn Mutter und Vater sind beide Professoren für Mathematik.
Mit „Swim“ im Gepäck kommt Caribou jetzt auf Tour. Am 16. November gastiert Snaith im Rahmen von Enjoy Jazz im Karlstorbahnhof. Drei Wochen später, am 5. Dezember, kommt Caribou in den Mousonturm nach Frankfurt. Lohnen könnte sich auch der weitere Weg nach Straßbourg in die Laiterie, am 17. November. Hier spielt neben Caribou auch das französische Projekt Neonbirds. Snaith tut sich bei seinen Liveautritten oft als Perkussionist hervor und hat einen Faible für Visuals bzw. Video-Projektionen. Seine Band besteht aus ihm und drei weiteren Musikern.
Die Namensgebung gibt übrigens Rätsel auf: Neben einem Rentier bezeichnet Caribou in Kanada ein mit Rum bezuschussten Glühwein, ein Album von Elton John, ein Fährschiff für Passagiere, das ein deutsches U-Boot 1942 versenkte und diverse Ortschaften in den USA.
Caribou/Snaith