Archiv der Kategorie 'DJ Shadow'

DJ Shadow muss nicht…

vorgestellt werden – zumindestens nicht an dieser Stelle (ansonsten hilft Wiki). Wie viele andere Musiker nutzt auch Shadow die Marketingstategie, Teile seines neuen Albums Scheibchenweise für einen begrenzten Zeitraum kostenlos zum Download anzubieten. Mitte September waren die ersten beiden Tracks (Def Surrounds Us und I‘ve Been Trying) dran. Das klingt hörerfreundlich. Hat aber viel mit Zufall zu tun, genau in den zwei Tagen, in denen der Download angeboten wird, im Internet darauf zu stoßen. Shadow weiß das und setzt scheinbar ganz bewußt auf eine materielle Allegorie: Denn in den Städten, wo er zum Tanz bittet, versteckt er angeblich in den örtlichen Plattenläden limitierte Vinyls (wird hier behauptet) und nennt das ganze „Shop-placing“. Nicht ganz klar ist, ob die Ladenbesitzer eingeweiht sind oder nicht, wenn Shadow seine Gaben verteilt. Ist auch egal, weil hier her in die Provinz kommt Shadow so gut wie nie und insofern braucht mal sich auch nicht zu ärgern (So ein Elfenbeinturm-Marketing!).

Ich hatte zu mindestens das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort im Netz zu sein, als die beiden oben erwähnten Tracks zu haben waren. Def Surrounds Us klingt nach dem alten und mir in besserer Erinnerung gebliebenen Shadow – also lange vor dem recht farblosen Outsider-Album. Nach mündlicher Ansage des Titels, die versampelt in den einsetzenden und ruhigen Dubstep-Rhythmus übergeht, der zunächst dezent von Synthie-Flächen begleitet wird, kommt Shadows Affinität zur 80er Plitsch-Plasch-Beat-Box zum tragen, die auch die ein oder andere Hommage an 808-Acid-Elementen enthält. Nach diesem dreiminütigen Intro setzt ein Drum‘n'Bass-Rhythmus ein, bei dem die Gradlinigkeit preußischen Marschmusik Pate gestanden hat. Die immer noch vorhandenen Stimmsamples werden mal sparsam, mal reichlich eingesetzt. Dann setzt ein klerikal klingenden Chor ein, der das Ende des gut siebeneinhalbminütigen Tracks ankündigt. In den verbleibenden zwei Minuten werden die Elemente des Beats immer weiter reduziert. Die Melodie wird längst von einem Klavier gespielt, das langsam ausklingt. Das Outro wird allerdings von einer Snarebeat dezent dominiert, der ebenfalls an militärische Musiktradition erinnert. Ein Schuss setzt den Schlusspunkt.
Stück Nummero Zwo (I‘ve Been Trying) hat vom anderen Stück nur noch die Militär-Snare. Ansonsten ist es ein ruhiges, von einer Akustikgitarre getragener Track, der die Lagerfeuer-Romantik im Schlepptau hat und der durch den Flötenanteil eine hippieeske Note bekommt.
Shadow spielt auf dieser Veröffentlichung also wieder mit den Gegensätzen und übergibt dem geneigten Hörer ein Shadoxymoron. Die Perle kommt also mit in die virtuelle Plattentasche für die nächste Sendung am 23.9.