Archiv für Oktober 2010

konzert: kummerbuben, 19.11. 2010

Juz Mannheim
Einlass: 21:00 Uhr
Konzertbeginn: 22:00 Uhr!

KUMMERBUBEN
Polka, Ska, Folk
aus Bern

kummer

Die Kummerbuben spielen alte Schweizer Volkslieder, wie man sie noch nie gehört hat. Vergessene Lieder der einfachen Leute, himmeltraurige Balladen und frivole Rumpelsongs findet man im Repertoire der sechs Musiker aus Bern. Die Kummerbuben pimpen die jahrhundertealten Songs kräftig auf, hämmern drauf rum und machen einzigartigen Sound draus, der nach Rock und Folk mit balkanesker Note klingt. 2009 hat die sechsköpfige Berner Band ihr zweites Album «Schattehang» veröffentlicht, nur eineinhalb Jahre nach ihrem Debüt «Liebi und anderi Verbräche», das von Presse, Funk und Fernsehen mit Lob eingedeckt wurde.

Der Sound könnte auch von einer Zigeunerkapelle oder von Tom Waits nach einem Adrenalinschub stammen. Eng verwandt ist die Musik auch mit der skandinavischen Band „Kaizers Orchestra“.

«… alte Volksweisen aufgepeppt mit einem Schuss Rock und Gipsy … Wer die sechs Wilden schon einmal live gesehen hat, weiss um die Einzigartigkeit der Kummerbuben.» (20Minuten)

«Biss wie keine andere Mundart-Band» (Berner Zeitung)

«Raue Gypsy-Musik, verschleppte Offbeats, verdrehte Burleske und doch immer wieder rockige Allüren – die Wurzeln am «Schattehang» greifen weit und tief.» (Südostschweiz)

«Da wird schön entstaubt, mit neuen Melodien in bester Anti-Folk-Manier, Melancholisches, Deftiges, Frohlockendes, Makabres wird frisch ausgepackt und mit gutem Groove versehen von den sechs aus Bern.»
(Neue Luzerner Zeitung)

«Die Kummerbuben klingen so, als ob der Balkan und der Wilde Westen miteinander durchgebrannt wären.»
(Basler Zeitung)

radio spielplan, 28.10. 2010, 22:00-0:00

01. contemporary noise quartet – main tune (waltz version)
02. contemporary noise quintet – walking sin
03. contemporary noise quintet – p.i.g (pig inside teh gentleman)
04. kummerbuben – lügemärli
05. kummerbuben – igel
06. kummerbuben – stomperli
07. pink freud – jazz fajny jest
08. pink freud – come as you are
- – – – – – – – – -
09. pink freud – warsaw
10. tonino carotone – me cago en el amor
11. microguagua – martin
12. pirat’s sound system – tancs
13. microguagua – jungle monkey
14. pirat’s sound system – nosduchamos?
15. skalpel – flying officer
16. skalpel – test drive
17. skalpel – theme from behind the curtain
18. skalpel – quiz
19. smokey texas – hamburg-berlin
20. kummerbuben – le coq est mort

Pink Freud – zur Sendung vom 28.10.2010 mit dem Feature „polnischer Jazz“

„Monster of Jazz“ heißt das letzte Album (2010) der polnischen Jazzfreunde aus Danzig. Nimmt man diesen Titel als Beschreibung für die Musik von Pink Freud, ist dem fast nichts hinzuzufügen. Aber eben nur fast – zumal mir nur noch die LP „Sorry Music Polska“ bekannt ist. Aber es klingt als wenn Jagga Jazzist mit Nils Petter Molvær zusammentreffen würden minus überstrapazierten Ambientflächen, versteht sich. Denn was Pink Freud so anbieten, ist doch schon recht tanzbar und wenn nicht, taugt es allemal als prima Kopfkino. Die Eigenbezeichnung „Trance-Jazz-Dance-Band“ stimmt also – es ist sehr sympathisch, wenn Musiker ihre Musik richtig beschreiben können und nicht irgend etwas fasseln von „Musik, die in keine Schublade passen würde“ etc. pp. Deshalb lassen wir doch noch einmal Wojtek Mazolewski von Pink Freud zu Wort kommen:“Als ich jung war, habe ich viel mit Drogen experimentiert und nach einem Jahr des Experimentierens kam ich zu dem Schluss, dass mir die Musik keine Befriedigung mehr gab, dass ich mich nicht mehr weiterentwickelt habe, obwohl ich Stunden an den Instrumenten verbracht habe. Das hat mir nichts gegeben. Da hab ich beschlossen, die Drogen sein zu lassen. Heute kann man den Vergleich machen und sagen, dass die Musik eine Art Droge für mich ist. Das Wort Leidenschaft passt allerdings noch besser.“ (Quelle) Das ist doch ein schönes Motivationsschreiben, oder? Aber auch eine Ansage, wie man sie schon oft gehört hat. Nur hier: es stimmt. Denn Pink Freud strotzt vor Experimentierfreude bei zeitgleicher Produktion von eingängigen Sounds. Pink Freud haben also nicht nur einen verrückten Namen, sondern machen auch absonderlich schöne Musik. Besonders erfrischend ist auch, wenn sie „Come as you are“ von Nirvana covern. Deshalb sind beide mir bekannte Alben uneingeschränkt zu empfehlen.

mit Schlagzeug-Solo als Intro

Stress und Hektik pur

Discography
2001 Zawijasy
2002 Live in Jazzgot (Live Album)
2003 Sorry Music Polska
2005 Jazz Fajny Jest (Remix / Live Album)
2007 Punk Freud
2008 Alchemia (Live Album)
2010 Monster of Jazz

Band-Mitglieder: Wojtel Mazelewski (Bass, Elektronik), Tomek Zietek und Adam Milwiw Baron (Trompete), Kuba Staruszkiewicz (Schlagzeug)

Skalpel – zur Sendung vom 28.10.2010 mit dem Feature „polnischer Jazz“

Von Skalpel wurde schon oft Musik im Nachttanzfunk gespielt. Deshalb wird es auch höchste Zeit mal ein paar Worte über das Breslauer Duo zu verlieren.
Skalpel rechnen sich selbst dem Hip Hop zu. Im Jahr 2000 begleiteten sie DJ Vadim auf seiner Osteuropa-Tour. Das brachte die nötigen Kontakte. Nachdem sie bereits von 1999 bis 2001 ein Album (Virtual Cuts) und eine EP (Polish Jazz) in Eigenregie veröffentlicht hatten, wurden sie 2003 mit der EP „Sculpture“ vom Londoner Label Ninja Tune gesignt. Zu den Label-Kollegen gehörten nun Nu-Jazzer wie The Cinematic Orchestra und Jagga Jazzist sowie Hip-Hop-Minimalist Vadim. 2004 kam die Debüt-LP auf Ninja Tune heraus, die man ganz originell nach sich selbst benannte. Nach drei Singles erschien 2005 der zweite Longplayer „Konfusion“.
Beide auf Ninja Tune veröffentlichen Alben verfolgen eben die Idee Hip-Hop-Rhythmen mit Jazz-Samples in Symbiose zu bringen. Viele der Stücke stehen den Produktionen vom Cinematic-Orchestra-Kopf John Swinscoe in Nichts nach: Vielleicht sind die Tracks etwas verkopfter, aber niemals verhuddelt sich Skalpel im Jazz; vielmehr bestätigt sich auf hohem Niveau wie viel Hip Hop vom Jazz und Jazz von Hip Hop lernen kann.

Hier mal ein Stück von der EP „Polish Jazz“

…und hier ein hübscher Klassiker von dem Ninja-Tune-LP-Debüt.

Discography
1999 Virtual Cuts
2001 Polish Jazz
2003 Sculpture
2004 Skalpel
2004 1958
2005 Break Out
2005 1958 Breaks
2005 Konfusion

Band-Mitglieder: Igor Pudlo und Marcin Cichy

Contemporary Noise Sextet, Quintet, Quartet – zur Sendung vom 28.10.2010 mit dem Feature „polnischer Jazz“

Contemporay Quintet ist eine Band aus Polen, die zwischen Jazz und Rock pendelt. Sie selbst beschreiben ihre Musik als „Jazz-Musik ohne Jazz“ und „Film-Musik ohne Film“. Das Contemporary Noise Quintet möchte sich also nicht festlegen mit welchem Genre es gerne kuschelt. Rock mögen sie aber auf jeden Fall: Denn die Vorgänger-Band (Something Like Elvis the legendary ???) soll ein Emo-Hardcore-Projekt gewesen sein und die meisten der Band-Mitglieder bezeichnen die Rock- und Punk-Musik als einen maßgeblichen musikalischen Einfluss.
Mit dem Debüt-Album „The Pig Inside the Gentleman“ aus dem Jahre 2006 trafen die Musiker dann den Nerv der Zeit: Die Platte bekam ausgezeichnete Kritiken und gewann einen Radio-Publikums-Preis – alles in Polen, versteht sich. Neben Klavier, Bass, Gitarre, Schlagzeug fällt die Blässer-Sektion der Band auf, die aus Saxophon und Trompete besteht. Während auf dem Debüt-Album das Klavier zusammen mit der Rhythmusgruppe die eingängigen Themen vorgibt, wird mit dem Gebläse experimentiert und gefreejazzt. Die Drums werden oft hart gespielt; können sich aber auch dezent zurückhalten.
Im Anschluss – 2008 – hat die polnische Combo noch zwei Platten herausgebracht. Das als Quartet eingespielte Album „Theatre Play Music“ hat Walzer, Polka und Tango als Thema und fährt eher im ruhigen Gewässer (bis vielleicht auf die Ausnahme von dem Stück „Gramophon“). Das im gleichen Jahr veröffentlichte Album „Uneffected Thought Flow“ ist musikalisch eher als eine Erweiterung zum Quartet-Album zu bezeichnen und das nicht nur weil es zwei Musiker mehr sind: Das Intro, das auf den gleichen Namen wie das Album hört, fängt gleich ganz heftig im Free Style an, bevor es etwas Luft holt und aufhört wie es anfängt. Teil Nummer zwei dieses Stückes befindet sich am Ende des Albums und funktioniert wie die Schwester. Ansonsten befindet sich leichte Kost neben schwer verdaulichen Stücken. Wer es also schräg und ruhig in Scheibchen mag, ist hier bestens bedient.
Erst kürzlich (9.10.) hat die Band in Essen auf dem Swingfestival von dem Label Denovali gespielt. Bei dem Bochumer Labels ist das Projekt jetzt unter Vertrag. In einer streng limitierten Auflage kam jetzt eine Reissue-Box mit den drei veröffentlichten Alben heraus. Die Box enthält vier Einschub-Möglichkeiten – will heißen: Es kommt demnächst noch ein viertes Album heraus.

Discography:
2006 The Pig Inside the Gentleman (Quintet)
2008 Theatre Play Music (Quaret)
2008 Uneffected Thought Flow (Sextet)

Band-Mitglieder (je nachdem ob Contemporary Noise Quartet, Quintet oder Sextet): Kuba Kapsa (Klavier), Kamil Pater (Gitarre), Patryk Weclawek (Bass), Bartek Kapsa (Schlagzeug), Tomek Glazik (Saxophon, Keyboard), Wojtek Jahna (Trompete)

Glazik, Jahna und Weclawek haben übrigens noch ein anderes interessantes Projekt: Sing Sing Penelope. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal…

Polish Jazz

Nach dem völlig miserablen Tomasz-Stanko-Konzert am 12.10. in der Alten Feuerwache im Rahmen von Enjoy Jazz, bin ich dazu geneigt eine Themensendung Polish Jazz vorzubereiten.

Zur Einstimmung:

1. Jarek Śmietana – A Story of Polish Jazz: polnische Rapper im Schnelldurchgang polnischer Jazzgeschichte

2. Skalpel – 1958: Dieses Jazz-Hip-Hop-Projekt (Label: Ninja Tune) verarbeitet Samples polnischer Jazzstücke von den 50ern bis zu den 70ern.

3. Pink Freud: Eine schon etwas ältere Liveaufnahme (hier Teil 1):

4. Contemporary noise quintet – Army of the sun: Eine ganz ausgezeichnete Combo, die nach Insepktion bei Youtube auch Live ganz hervroragend zu sein scheint.

Ja, diese Reihe ließe sich wahrscheinlich fortsetzen…

Gonjasufi-Album in da mix – The Caliph’s Tea Party

Zum Mix für die Originale von dem Album „A Sufi and a Killer“ hat Gonjasufi sehr verschiedene Musiker rangelassen. Verschiedene Sücke von „The Caliph’s Tea Party“ kann man sich bequem im Netz anhören. Selbstverständlich kamen Warp-Artists zum Zuge. So hat sich der dem experimentellen elektronischen Genre anhängenden Bibio dem Stück „Candylane“ angenommen – sehr nett. Das Intro kommt vom Australier Mark Pritchard. Er hat den Track „Ancestors“ in seiner Musikwerkstatt bearbeitet und herausgekommen ist ein ganz feine Nummer, die dem Original richtig Konkurenz macht. Die aus Brooklyn stammenden Indietronicer von Bear in Heaven widmen sich dem im Original zaghaft rockenden Stück Love of Reign und zaubern eine richtige Elektrorocknummer drauß. Die anderen, nicht im Netz auffindbaren Stücke auf der LP sind mitunter viel experimenteller. Tendenz: Wer das Originalalbum mag, findet die Remixe klasse!

Eine Hörpröbe geht noch. Orientalisch beginnt der gleichnamige Titel des Album – im Remix versteht sich. Ein lachender Sample, begleitet vom Alt-Saxophon, leitet in einen Part über, der vom Cembalo an die Leine genommen wird. Aber der Hund entreißt und fliegt davon – als Vogel. Zugegeben jetzt wird es kompliziert: Weder Hund noch Vogel, sondern Gonjasufi, mit zwischerndem Abgang. Zum Wahnsinn geht es hier.